Empfehlungen für Ausbildungsplatzsuchende

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Ausbildung im Klavierbau

Kunst & Können

Ausbildung zur Klavierbauerin / zum Klavierbauer

Wir bekommen regelmäßig Anfragen zu einem Ausbildungsplatz zum Beruf der Klavierbauerin bzw. des Klavierbauers. Dazu sei angemerkt: Wir bilden in bestimmten Abständen eine Person aus. Diese Einschränkung in der Anzahl gebietet uns unsere Sorgfaltspflicht, um die Qualität der Ausbildung gewährleisten zu können.

KlavierbauerwerkstattSchritte vor einer Bewerbung

Um heraus zu finden, ob Ihnen der Beruf gefällt, empfiehlt es sich bei einem Klavierbauer oder einer Klavierbauerin ein Kurzzeit-Praktikum zu absolvieren. Dabei muss es sich um keinen Ausbildungsbetrieb handeln. Denn ohne Berufserprobung bietet fast kein Ausbildungsbetrieb einen Ausbildungsplatz in unserem Gewerk an, da so manche falsche Vorstellung zum Beruf kursieren.

Eine erste allgemeine Information zum Beruf erhalten Sie Online beim Berufenet der Arbeitsagentur. Tipp: Lesen Sie diese Informationen bevor Sie sich bei einem Klavierbauer oder einer Klavierbauerin bewerben, denn ein Betrieb hat nicht die Zeit, eine umfassende Berufsausbildungberatung zu machen. Dafür gibt es entsprechende Institutionen.

Duale Ausbildung

Unter anderem in Deutschland gibt es die sogenannte duale Ausbildung (Ausbildung im Betrieb und Besuch einer Berufschule = Kombination von Praxis und Theorie). Für die Ausbildung im Betrieb müssen Sie nichts bezahlen, für die Schule jedoch die notwendigen Bücher und Utensilien selber kaufen, sowie für die Fahrt- und Unterkunftskosten aufkommen. Die meisten Bücher und auch Utensilien können Sie aber auch an der Schule in Ludwigsburg kostenfrei ausleihen.

Sie erhalten eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb, die jedoch in den meisten Fällen für den Lebensunterhalt und die eigene Wohnung nicht ausreicht. Eine Ausbildung sollte auch hierbei finanziell gut geplant sein, genau so wie auch eine kostenpflichtige Ausbildung in anderen Berufsbereichen. Welche finanziellen Unterstützungen Sie seitens der Arbeitsagentur oder anderen Stellen erhalten, müssen Sie bitte selbst in Erfahrung bringen.

Die Ausbildung zur Klavierbauerin/zum Klavierbauer dauert 3,5 Jahre (Rahmenlehrplan). Hier ein Video, zum Beruf bei Herstellerbetrieben. Bei einem Reparaturbetrieb gestaltet es sich etwas anderst (siehe unten).

Eine Teilzeit-Ausbildung ist seit 2020 für Alle möglich. Voraussetzung ist, dass sich die Vertragsparteien einig sind.  Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass sich die Ausbildungsdauer verlängert, wenn die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit verkürzt wird und die Ausbildungsvergütung entsprechend nach unten angepasst.

Über die Höhe der Ausbildungsvergütung entscheidet der jeweilige Ausbildungsbetrieb. Es gibt eine Mindestvergütung, aber jeder Betrag darüber seitens des Ausbildungsbetriebes freiwillig und an den Möglichkeit des jeweiligen Betriebes orientiert. Die Vergütungen der Industrie (Hersteller in Deutschland) sind meistens höher, als jene der Reparaturwerkstätten. Denn verständlicherweise hat ein Ein-Mann-Betrieb weniger Geld zur Verfügung, als eine Pianomanufaktur.

Es gibt zwei verschiedene Betriebsstätten, an denen man in Deutschland zum/zur Klavierbauer/in ausgebildet werden kann: Entweder in einer Reparaturwerkstatt (Vielfalt der Instrumente und ihrer Klänge; breit angelegtes technisches Wissen) oder bei einem Hersteller, wie Sauter in Spaichingen, August Förster in Löbau oder Wilhelm Steinberg in Eisenberg, die Klaviere und Flügel neu bauen (Spezialisierung, Routine durch gleiche Arbeitsabläufe, lautere Umgebung).

Die Berufsschule besuchen alle Auszubildenden im Klavierbau gemeinsam in Ludwigsburg  bei Stuttgart (Blockunterricht; üblicherweise zweimal im Jahr) – gegebenfalls gemeinsam mit Cembalobauer/innen. Näheres dazu unter OWS. Übernachtet werden kann im Jugendgästehaus, wo man ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und ein Abendessen (am Wochenende Mittag- und Abendessen) erhält. Also nicht selber kochen muss. Im Sekretariat der Berufsschule erhält man eine Liste, welche Privatleute Zimmer in und um Ludwigsburg anbieten und vermieten.

Wo kann man sehen, wer eigentlich in Deutschland ausbildet? Am besten Online bei der JOBBÖRSE der Arbeitsagentur. Dies ist die wichtigste Adresse, da hier konkrete Ausbildungsplätze ausgeschrieben werden.

Für Abiturienten: Hier besteht die Möglichkeit in der Berufsschule zusätzlich Management im Handwerk (MIH) verbindlich zu besuchen. Dann entfallen andere Pflichtfächer. Bei erfolgreicher Absolvierung ersetzt diese den Dritten Teil der nachfolgenden (möglichen) Meisterprüfung. Die Prüfungs-Kosten für MIH müssen Sie aber selber tragen, da es eine freiwillige Ergänzung ist. Näheres auch dazu bei den Handwerkskammern, insbesondere der Handwerkskammer Stuttgart.

Verkürzungen für Abiturienten oder jene, die bereits beispielsweise eine Schreinerlehre begonnen haben oder eine Fachschule für Holzbearbeitung besucht haben, sind auf Antrag gegenüber der Handwerkskammer und mit Einverständnis des Ausbildungsbetriebes möglich. Ebenso später bei überdurchschnittlichen Leistungen.

Es gibt auch die Möglichkeit, im Rahmen einer zweijährigen Umschulung diesen Beruf zu erlernen. Die Entscheidung trifft hier die Arbeitsagentur, ob sie das fördert und natürlich der Ausbildungsbetrieb. Und es hängt natürlich vom eigenen Engagement, der Auffassungsgabe und dem handwerklichen Geschick ab, inwieweit man in zwei Jahren das notwendige Basis-Know-how für diesen Handwerks-Beruf erwirbt. – Beachten Sie bitte, dass auch hier um Verkürzung angesucht werden muss. In unserem Betrieb sind jedoch keine Verkürzungen möglich! Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass diese Zeit nicht ausreicht, um fundiertes Wissen und eine fundierte Praxis zu erhalten.

Erwarten Sie sich nicht, dass Sie direkt an Ihrem Wohnort einen Ausbildungsplatz oder später einen Arbeitsplatz erhalten. Bei so wenigen Klavierhäusern und Herstellern in Deutschland ist es nahe liegend, dass es entsprechend weniger Möglichkeiten gibt sich den Standort auszusuchen. Wer von Vornherein sagt, er möchte nur im bisherigen Wohn-Umfeld arbeiten, hat geringere Chancen, als jemand, der Mobil ist.